Einnahmen-Überschuss-Rechnung einfach vorbereiten
So bereitest du deine EÜR sauber vor. Mit Belegordnung, Kleinunternehmergrenzen und Beispielrechnung für 2026.
Eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung wirkt oft größer, als sie ist. Wenn du nebenbei Rechnungen schreibst, als Freiberufler arbeitest oder ein kleines Gewerbe betreibst, brauchst du vor allem Ordnung: Einnahmen, Ausgaben, Belege und Kontoauszüge müssen zusammenpassen.
Was ist das?
Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung, kurz EÜR, ist eine einfache Gewinnermittlung. Du stellst deine betrieblichen Einnahmen den betrieblichen Ausgaben gegenüber. Was übrig bleibt, ist dein Gewinn. Dieser Gewinn fließt in deine Einkommensteuererklärung ein.
Eine EÜR betrifft 2026 vor allem Freiberufler, Kleinunternehmer nach § 19 UStG, nebenberuflich Selbstständige und viele kleine Gewerbetreibende. Typische Fälle sind Nachhilfe, Design, Text, Beratung, Handwerk im Nebenerwerb, Verkauf eigener Produkte oder eine kleine Online-Dienstleistung.
Eine Bilanz wird meist erst relevant, wenn dein Gewerbe größer wird. Für Gewerbetreibende gelten 2026 als wichtige Orientierungswerte 800.000 Euro Umsatz oder 80.000 Euro Gewinn pro Jahr. Wird eine solche Grenze überschritten oder fordert das Finanzamt zur Buchführung auf, reicht die EÜR nicht mehr. Freiberufler können in vielen Fällen auch bei höheren Umsätzen bei der EÜR bleiben, sollten das aber steuerlich prüfen lassen.
Wichtig ist die Einordnung: Nicht jeder Gewinn führt sofort zu Einkommensteuer. Der Grundfreibetrag liegt 2026 bei 12.096 Euro. Bei Arbeitnehmern kommt für den Job zusätzlich der Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.230 Euro ins Spiel. Deine selbstständigen Gewinne werden aber mit anderen Einkünften zusammengerechnet. Deshalb kann auch ein kleiner Nebenverdienst steuerlich relevant sein.
Wie funktioniert es?
Du brauchst keine teure Software, aber eine feste Struktur. Lege für jedes Jahr einen digitalen Hauptordner an, zum Beispiel 2026_EUER. Darin nutzt du Monatsordner und Kategorien wie Einnahmen, Material, Buerobedarf, Telefon_Internet, Fahrten, Fortbildung, Bank und Steuer. Jede Rechnung bekommt einen klaren Dateinamen, etwa 2026-03-12_Rechnung_001_Kunde.pdf oder 2026-04-03_Buerobedarf_Quittung.pdf.
Bewahre Belege so auf, dass sie lesbar, vollständig und nachvollziehbar bleiben. Für Rechnungen gilt in der Praxis eine Aufbewahrung von 10 Jahren, für viele Geschäftsbriefe 6 Jahre. Wenn du Papierbelege scannst, sollte der Scan vollständig sein. Thermobelege verblassen schnell; fotografiere oder scanne sie zeitnah.
Trenne privat und geschäftlich so früh wie möglich. Ein zweites Girokonto bei deiner Hausbank oder ein günstiges Geschäftskonto reicht oft aus. Das spart Zeit, weil du nicht jede private Supermarktzahlung aus deinen Unterlagen aussortieren musst. Außerdem erkennst du schneller, ob Rechnungen bezahlt wurden.
Bei Kleinunternehmern sind seit 2025 zwei Umsatzgrenzen wichtig: Im Vorjahr darf der Umsatz höchstens 25.000 Euro betragen haben. Im laufenden Jahr liegt die Grenze bei 100.000 Euro. Wird die laufende Grenze überschritten, endet die Kleinunternehmerregelung ab diesem Zeitpunkt. Dann wird Umsatzsteuer ein Thema. Das kann Rechnungen, Preise und Vorsteuer verändern. Das Bundesfinanzministerium beschreibt diese Sonderregelung ausführlich; bei Grenzfällen lohnt sich eine steuerliche Gegenprüfung.
Typische Betriebsausgaben sind Material, Porto, Bürobedarf, Software, anteilige Telefon- und Internetkosten, Fahrten, Fachliteratur, Fortbildungen, Kontogebühren und Arbeitsmittel. Bei manchen Kosten sind Pauschalen möglich, etwa bei betrieblichen Fahrten mit dem privaten Auto. Häufig ist aber der Einzelnachweis sauberer, besonders wenn du echte Rechnungen hast. Privat genutzte Dinge darfst du nur anteilig ansetzen, zum Beispiel Internet oder Smartphone.
Ab 410 Euro Gewinn musst du die Anlage EÜR elektronisch über ELSTER abgeben. Auch darunter kann eine saubere Übersicht sinnvoll sein, weil du deine Zahlen dann belegen kannst.
In der Praxis
Nimm eine kleine Nebentätigkeit im Jahr 2026: Du schreibst Rechnungen über 4.000 Euro. Deine Ausgaben betragen 800 Euro, davon 250 Euro Software, 180 Euro Bürobedarf, 120 Euro anteiliges Internet, 150 Euro Fortbildung und 100 Euro Fahrtkosten. Deine EÜR lautet dann: 4.000 Euro Einnahmen minus 800 Euro Ausgaben gleich 3.200 Euro Gewinn.
Dieser Gewinn ist nicht automatisch deine Steuerlast. Er wird zu deinen übrigen Einkünften gerechnet. Wenn du angestellt bist, läuft dein Arbeitslohn weiter über die normalen Regeln. Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.230 Euro betrifft deine nichtselbstständige Arbeit, nicht deine Betriebsausgaben aus der Nebentätigkeit. Für die EÜR brauchst du deshalb eigene Belege.
Eine einfache Monatsroutine reicht oft: Am Monatsende lädst du Kontoauszüge herunter, prüfst offene Rechnungen, speicherst neue Belege und trägst Einnahmen sowie Ausgaben in eine Tabelle ein. Spalten können sein: Datum, Belegnummer, Kunde oder Anbieter, Kategorie, Betrag netto, Umsatzsteuer, Betrag brutto, bezahlt am, Notiz. Kleinunternehmer ohne Umsatzsteuerausweis können die Tabelle schlanker halten, sollten aber ihre Umsätze genau überwachen.
Eine typische Stolperfalle ist das gemischte Konto. Wenn private und geschäftliche Zahlungen durcheinanderlaufen, kostet die Steuererklärung später deutlich mehr Zeit. Eine zweite Falle sind Kleinbeträge ohne Beleg. Auch 7,99 Euro für eine App oder 14,50 Euro für Fachliteratur summieren sich. Ohne Beleg wird der Abzug unsicher.
Achte außerdem auf Rechnungen als Kleinunternehmer. Du weist keine Umsatzsteuer aus, wenn du die Kleinunternehmerregelung nutzt. Ein falscher Umsatzsteuerausweis kann Ärger machen, weil ausgewiesene Steuer grundsätzlich geschuldet sein kann. Vor Veröffentlichung oder Abgabe deiner Unterlagen solltest du bei Unsicherheit eine steuerliche Prüfung einholen, besonders bei gemischter Nutzung, Auslandskunden oder Wachstum über die Umsatzgrenzen.
Fazit
Eine EÜR wird überschaubar, wenn du sie nicht erst kurz vor der Steuererklärung anfängst. Lege ein separates Konto an, speichere Belege monatlich nach festen Kategorien und prüfe deine Kleinunternehmer-Umsätze gegen die Grenzen von 25.000 Euro und 100.000 Euro. Dein nächster Schritt: Erstelle heute die Ordner für 2026 und trage die bisherigen Einnahmen und Ausgaben in eine einfache Tabelle ein.